Mit steigender Lebenserwartung riskieren immer mehr Menschen, altersbedingte Augenerkrankungen zu entwickeln, die zur Erblindung führen können. Zur Behandlung und Versorgung der Erkrankten müssen die Risikofaktoren verstanden werden. Ein EU-finanziertes Projekt entwickelte neue Instrumente zur Vorhersage der Wahrscheinlichkeit, eine Augenkrankheit zu entwickeln, sowie Schritte zur Risikominderung.


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In Europa steigt die durchschnittliche Lebenserwartung – und mit ihr das Risiko, altersbedingte Erkrankungen zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist die altersbedingte Makuladegeneration, eine degenerative Krankheit der Netzhaut, die zur Erblindung führen kann. Tatsächlich ist die altersbedingte Makuladegeneration bei Menschen über 50 Jahren die Hauptursache für Blindheit. Derzeit sind 17,7 Mio. Menschen in der EU davon betroffen. Unter Berücksichtigung einer wachsenden Bevölkerung mit einer höheren Lebenserwartung steigen die Fälle der altersbedingten Makuladegeneration in Europa Prognosen zufolge um 50 %. Bis 2040 sind weltweit mehr als 300 Mio. Menschen davon betroffen.

Die Herausforderung bei der Forschung nach Heilmitteln besteht darin, dass es sich bei der altersbedingten Makuladegeneration um eine äußerst komplexe Erkrankung handelt, die von einer Vielzahl an Faktoren wie Change, Genen und Lebensweise verursacht wird. „Allerdings wissen wir nicht, welche Wechselwirkungen zwischen diesen Risikofaktoren die Krankheit auslösen, und warum manche Menschen davon betroffen sind, andere aber nicht“, so Marius Ueffing, Leiter und Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde an der Universität Tübingen. „Wissen ist eine Voraussetzung dafür, dass wir ein Heilmittel gegen die altersbedingte Makuladegeneration finden können.“

Eines der übergeordneten Ziele des EU-finanzierten Projekts EYE-Danger besteht darin, diese Wissenslücke zu schließen. Das Projekt entwickelte ein rechnergestütztes Instrumentarium für die Risikoprognose, mit dem das Risiko einzelner Personen, eine altersbedingte Makuladegeneration zu entwickeln, genau vorhergesagt werden kann. Die Forschenden analysierten außerdem, wie diese Risikofaktoren zur Entstehung der Erkrankung beitragen.

Eine große Datenbank zur Risiko- und Pathologieanalyse

Anfangs stellten die Forschenden eine Datenbank zusammen, der stetig qualitätskontrollierte Daten aus einer Vielzahl an Quellen zugeführt wurden. „Soweit wir wissen, ist dies die weltweit größte Datensammlung über die altersbedingte Makuladegeneration“, erläutert Ueffing, der das Projekt gemeinsam mit einer Kollegin koordinierte.

Das Projekt erstellte auch ein Diagnostik-Panel, um die genetische Veranlagung für die Erkrankung zu testen. Anschließend entwickelte die Forschungsgruppe mithilfe fortgeschrittener computergestützter Methoden, darunter künstliche Intelligenz, einen innovativen Algorithmus für die Risikoprognose.

„Auf der Grundlage eines umfassenden Datensatzes, der genetische Informationen mit klinischen Augenuntersuchungen und Informationen über die Lebensweise kombiniert, kann dieses Instrument eine exakte Prognose über das Risiko des Einzelnen abgeben, eine altersbedingte Makuladegeneration zu entwickeln“, merkt Caroline Klaver an, Forscherin am Medizinisches Zentrum der Universität Erasmus und Mitkoordinatorin des Projekts.

Das Instrument kann allen Menschen dabei helfen, ihre Lebensweise zu verbessern und das Risiko einer Erblindung zu verringern. „Unser Instrument zeigt, dass eine mediterrane Ernährungsweise in Kombination mit einer gesunden Lebensweise einen guten Schutz bieten kann“, so Cécile Delcourt, Forscherin an der Universität Bordeaux, die die Entwicklung des Devices überwachte. „Für jene, die eine genetische Veranlagung für die Erkrankung haben, kann eine nährstoffreiche Ernährung das Risiko um forty one % verringern.“

Das Projekt EYE-Danger analysierte außerdem die molekularen Vorgänge, die im Auge auftreten, wenn es von der altersbedingten Makuladegeneration betroffen ist. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Forschung erstellten die Forschenden ein Rechenmodell über potenzielle Risiken, körperliche Betätigungen, gesundheitliche Risiken und die Auswirkungen des Alterns – ein Modell, das als Grundlage für künftige Forschungsvorhaben dienen kann.

Instrumente für die bessere Vorsorge und Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration

Das Projekt EYE-Danger setzte den Maßstab für ein besseres Verständnis der Ursachen der altersbedingten Makuladegeneration, ein wichtiger erster Schritt für die Entwicklung wirksamer Behandlungsmethoden. Das Prognosemodell des Projekts wurde in eine Web page eingebettet, wo es sowohl Erkrankten als auch Angehörigen der Gesundheitsberufe zur Verfügung steht.

„Unsere Instrumente werden Menschen mit hohem Risiko dabei unterstützen, ihre Lebensweise zu ändern, um dem Beginn oder dem Fortschreiten der altersbedingten Makuladegeneration vorzubeugen“, so Ueffing abschließend. „Außerdem werden sie bei der Priorisierung von Erkrankten mit verschiedenen Risiken helfen, um künftige klinische Studien über die Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration zu verbessern.“

Obwohl die EU-Unterstützung des Projekts nun ausläuft, wird die Arbeit zwischen den Partnereinrichtungen fortgesetzt. Die Forschenden sind z. B. eine Partnerschaft mit Professional RETINA, einer deutschen Patientenvereinigung, und mit Retina Global, einer globalen Patientenvereinigung, eingegangen. Gemeinsam nutzen sie die Ergebnisse, die während der Laufzeit von EYE-Danger erlangt wurden, um für die altersbedingte Makuladegeneration zu sensibilisieren und Strategien für deren Prävention zu vermitteln.

Einige Husband or wife von EYE-Danger richteten eine Plattform für künstliche Intelligenz ein, um die genaue und individualisierte Diagnose, Risikoprofilierung und Ratschläge für die Patientenversorgung voranzubringen. Dieses Projekt wird derzeit ausgewertet. Die Projektergebnisse wurden auch von mehreren Pharmaunternehmen aufgegriffen und stützen das Voranschreiten der Entwicklung wirksamer Behandlungsmethoden gegen die altersbedingte Makuladegeneration.

Englische Variation des Video clips